Telgter Wallfahrtsverein

 Im Jahr 1974 ergriff Heinrich Roßwinkel die Initiative und gründete mit Pastor Josef Fipp im Ansgarhaus den Verein mit 41 Personen. 1976 beschäftigten sich 4 Frauen aus dem Wallfahrtsverein mit der Herstellung der eigenen Wallfahrtsfahne. Diese zog 1977 zum ersten Mal in Telgte ein. Ebenfalls wurde 1977 das Begleitfahrzeug angeschafft, welches auch bei den Fronleichnamsprozessionen unserer Pfarreiengemeinschaft bis heute als Unterbau für den Altar zum Einsatz kommt. 2014 erneuerten wir die etwas in die Jahre gekommene Fahne und bekamen dadurch zwei Schärpen, welche gerne von den jungen Mitgliedern getragen werden. Unsere Mitgliederzahl zählt aktuell 128 Personen.

Ansprechpartner in St. Ansgar ist Hans-Gerd Möllenkamp (0541 53915)
Auf der Seite www.wallfahrt-nach-telgte.de  kann man sich über die genaue Wegstrecke informieren. Parallel informiert die Seite auch über den Zeitplan der Wallfahrt und zeigt auf, wo man sich dem Pilgerzug anschließen kann. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Sie finden dort auch interessante Fotostrecken mit schönen Impressionen aus den letzten Jahren.

Ballast von der Seele laufen

Gut 50 Pilger aus dem Wallfahrtsverein Nahne und aus der Pfarreiengemeinschaft beteiligten sich in diesem Jahr an dem Glaubensevent. Nach frühen Pilgermessen in St. Joseph und St. Ansgar starteten die ersten von ihnen mit den 800 Wallfahrern vom Johannisfriedhof und von Nahne aus. Nach knapp zwei Stunden passierte der Zug um Punkt fünf Uhr die Klause von Bad Iburg – dem ersten kurzen Stopp auf der 42 Kilometer langen Strecke. Noch jung, aber in Sachen Pilgern fast schon ein alter Hase, hatte sich der zwölfjährige Felix Hune für dieses Jahr etwas vorgenommen: „Ich will die Strecke komplett laufen“, sagte der Messdiener aus St. Joseph bei der ersten großen Pause in Glandorf. Was er übrigens auch schaffte.
Den Glaubensmarathon in voller Länge absolvieren wollen nicht alle. Sehr viele Menschen aus der Pfarrei schließen sich deshalb erst an den längeren Stopps in Glandorf und Ostbevern dem Pilgerzug an. An der Klause Ödingberge gedachte Bischof Franz-Josef Bode an den im Februar verstorbenen Prälat Egon Mielenbrink. Der Kirchenmann aus Telgte galt als exzellenter Kenner der Pilgerfahrten in Deutschland. Er hatte zudem an den drei letzten Ausgaben des grünen Wallfahrtsbuches mitgearbeitet.
Bode sprach in der Predigt, dass Pilgern nicht mit Joggen, Walken oder mit einem Spaziergang zu vergleichen sei. „Man kann sich beim Pilgern den Ballast von der Seele laufen.“ Angesichts der rund 6000 Pilger an der Klause, meinte Bode, dass die Zahl eigentlich doppelt so groß sei. „Denn jeder Wallfahrer trägt ja in seinem Herzen immer noch einen Menschen mit sich, für den er nach Telgte pilgert.“
Vielfach ritualisiert ist auch die Verpflegung der Pilger unterwegs. In den Pausen werden sie von Familienmitgliedern versorgt. Oder ganze Gruppen buchen schon vorab Plätze in den Gastwirtschaften der Orte.
Mehrere Pilger bemerkten in diesem Jahr aber ein ausbleibendes Ritual: In Telgte läuteten beim Einzug der geschätzt 11000 Wallfahrer diesmal keine Glocken. Im letzten Jahr seien sie zu laut gewesen und hätten den Gesang des Telgter Wallfahrtsliedes übertönt, war aus der Ordnerversammlung zu hören.
Nach der Andacht hinter der Kirche lassen die meisten Pilger die
gemeinsam zurück gelegte Strecke noch einmal bei Getränken und Bratwurst auf den Emswiesen Revue passieren. Das kulinarische Angebot plus Personal organisierte wie immer der Wallfahrtsverein.
Noch so ein Ritual: Während der Hinweg meist bei bestem Wetter gelingt, ist auf dem Rückweg am Sonntag oft der Regen dabei. In diesem Jahr begleitete ein feiner Nieselregen die Wallfahrer.
Nach der gewohnt emotionalen Schlussandacht in Oesede, hat sich seit einigen Jahren eine schöne Gewohnheit zum Ritual verstetigt. Auf der Rückfahrt im vollen Wallfahrtbegleitwagen werden noch einmal die „Hits“ aus dem Wallfahrtsbuch gesungen. Der Klassiker ist „Johannes, auserkoren“, der erst auf der Kuppe des Harderbergs angestimmt werden darf. Denn: Mit der letzten Strophe rollt der Wagen auf den Hof von Appi Niemann. Dort lassen die Pilger wieder die Telgter Wallfahrt bei Getränken und Bratwürstchen gemeinsam ausklingen.
Stefan Buchholz